Gemeinsam oder getrennt? Stationen deutsch-polnischer Geschichte.
Markus Meckel spricht über den 4. Juni 1989 und 18. März 1990
Markus Meckel, geboren am 18. August 1952 in Müncheberg/Brandenburg, musste 1969 die Allgemeine Oberschule aus politischen Gründen verlassen, erwarb dann am Kirchlichen Oberseminar Potsdam-Hermannswerder die Hochschulreife und studierte von 1971 bis 1978 Theologie in Naumburg und Berlin. Nach Vikariat und evangelischem Pfarramt in Vipperow/Müritz, war er von 1988 bis 1990 Leiter der Ökumenischen Begegnungs- und Bildungsstätte in Niederndodeleben bei Magdeburg. Oppositionelle politische Arbeit in der DDR leistete er seit den 1970er Jahren. 1989 gründete er mit Martin Gutzeit die sozialdemokratische Partei (SDP) in der DDR, war deren Vertreter am Zentralen Runden Tisch und wurde 1990 nach den ersten freien Wahlen in der DDR deren Außenminister. Von 1990 bis 2009 gehörte er für die SPD dem Deutschen Bundestag an. Er bekleidet zahlreiche ehrenamtliche Funktionen in Stiftungen und Organisationen, darunter Ko-Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Von 2013 bis 2016 war er Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
Als beobachtender und im Laufe der Zeit immer aktiver werdender wie mitwirkender Zeitgenosse und Akteur blickt Markus Meckel auf die beiden Wahlen in der Volksrepublik Polen (4.6.1989) und der DDR (18.3.1990) zurück, die am Ende von Verhandlungen an den jeweiligen Runden Tischen in Warschau und Ostberlin stattfanden. Dabei unterstreicht er die immense Bedeutung der steigenden politischen Teilhabe der Menschen in der VR Polen und der DDR. Ohne die Emanzipation gewichtiger Teile beider Gesellschaften von einem politischen Objekt zu einem politischen Subjekt wäre die „verhandelte Revolution“ (Marek Prawda), die in beiden Ländern die Demokratie und im Fall Deutschlands, die Vereinigung einleitete, nicht möglich gewesen.
Trotz einer eindeutigen Positionierung für mehr Wertschätzung der „Selbstdemokratisierung“ der DDR-Bevölkerung zeichnet Meckel ein relationales und mitnichten monokausales Bild der „friedlichen Revolution“ in den beiden Staaten inmitten eines mitteleuropäischen Demokratisierungsprozesses.
Weiterführende Literatur und einige Netzfunde:
Markus Meckel, Zu wandeln die Zeiten, Erinnerungen, Leipzig 2020.
Ders., Osobista historia wolności, Warszawa - Berlin 2023.
Ders., Herausforderungen zum 35. Jahrestag der Deutschen Einheit - Für ein neues Narrativ dieses Gedenkens, in: Erinnern! 2/2024 S. 3-20.
Ders., Die Anerkennung der polnischen Westgrenze im deutschen Vereinigungsprozess, in: Enrico Seewald/Urs Unkauf, Deutschland und Polen. Die Geschichte der amtlichen Beziehungen,
Berlin 2024, S. 411-423.
Łukasz Jasiński, Die Wege zum Runden Tisch in Polen und der DDR 1989, in: Historie 14/2021, S. 101-132.
Michał Przeperski, Eine apolitische Gemeinschaft? Polen vor dem Juni 1989, in: Historie 14/2021, S. 19-42.
Norbert Reichel, Underdogs. Perspektiven einer gesamtdeutschen Geschichtsschreibung, in: Demokratischer Salon, 15.09.2022.
Philipp Ther, 1989 – eine verhandelte Revolution. Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.02.2010.
© eine Videocastreihe des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften





