HIGH NOON AN DER WAHLURNE: Der 4. Juni 1989 in Polen

04.06.2015
Am 4. Juni 1989 gewann die Oppositionsbewegung Solidarność die Mehrheit der Stimmen in der polnischen Parlamentswahl.
 
"Meine Damen und Herren, am 4. Juni 1989 ist in Polen der Kommunismus zu Ende gegangen" – sagte die Schauspielerin Joanna Szczepkowska im Fernsehen kurz nach der ersten (teilweise) freien Wahl in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Monate später wurde Tadeusz Mazowiecki, Kandidat der Solidarność, zum ersten nichtkommunistischen Regierungschef im damaligen sogenannten Ostblock gewählt.
Diese Ereignisse läuteten nicht nur das sanfte Ende der kommunistischen Parteiherrschaft in Polen ein, sondern hatten auch eine größere Katalysatorfunktion, indem sie maßgeblich zum Fall der Berliner Mauer in Deutschland und zum Untergang des Kommunismus in den Staaten Mittel- und Osteuropas beitrugen.
Als die kommunistischen Regierungen in den mittelosteuropäischen Staaten Ende 1989 zusammenbrachen, präsentierte Finanzminister Leszek Balcerowicz einen Reformplan, der die Transformation von der polnischen Planwirtschaft in eine freie Marktwirtschaft einleitete. Ferner wurde die Verfassung geändert: Die Bestimmungen über die Allianz mit der Sowjetunion und den sozialistischen Staaten sowie die Führungsrolle der kommunistischen Partei wurden gestrichen. Der Staatsname wurde ebenfalls geändert: Aus der "Volksrepublik Polen" wurde die "Republik Polen".