Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci

Forschungs- und Publikationsprojekt: Deutsche und polnische Erinnerungskulturen in der longue durée. Ein neuer Ansatz in der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen
Projektkoordination: Anna Labentz
Finanzierung:
  • Budgetmittel des CBH PAN
  • Mitteln der Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg
  • Fördermittel folgender deutscher und polnischer Organisationen und Stiftungen: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung, Goethe-Institut in Warschau, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Ziel des interdisziplinären Forschungsprojekts des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (CBH PAN) ist die Betrachtung der deutsch-polnischen Geschichte aus einer neuen Perspektive. Die Ergebnisse des Projekts sind Teil einer umfangreichen Publikationsreihe in deutscher und polnischer Sprache (Erscheinungsjahr: 2012-2015), die den ersten Versuch einer Analyse gemeinsamer, geteilter und paralleler deutsch-polnischer Erinnerungsorte darstellen soll. Das Projekt betritt methodologisches Neuland, indem es zum ersten Mal die Erforschung von Erinnerungskulturen und den beziehungsgeschichtlichen Ansatz miteinander verschränkt. Das am CBH PAN initiierte Projekt ist zurzeit das größte wissenschaftliche deutsch-polnische Unternehmen und ein bisher einzigartiger Versuch, einen transnationalen und interdisziplinären Wissenschaftsdialog aufzubauen.

Zwei Anthologien zur Geschichte zweiten Grades, eine Reihe von Zeitungsartikeln sowie ein interdisziplinäres Lexikon ergänzen diese Publikation. Sie sind integrale Bestandteile des Projekts, weil sie ebenfalls zur Erforschung der Geschichte zweiten Grades beitragen und darüber hinaus eine Vereinheitlichung und eine Systematisierung der methodologischen Konzepte ermöglichen.

Kernprojekt

Eine fünf- bzw. vierbändige Publikationsreihe Deutsch-polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci in deutscher und in polnischer Sprache (insgesamt ca. je 2500 Seiten), hg. v. Robert Traba, Hans Henning Hahn, unter Mitarbeit von Maciej Górny und Kornelia Kończal, Paderborn und Warszawa 2012-2015.

Begleitprojekte

Projekt Nr. 1: eine interdisziplinär angelegte Anthologie polnischer Texte über Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis in deutscher Übersetzung, erschienen als fünfter Band und inhärenter Teil der deutschen Publikationsreihe: Deutsch-Polnische Erinnerungsorte, Bd. 5: Erinnerung auf Polnisch. Texte zu Theorie und Praxis des sozialen Gedächtnisses, hg. v. Peter Oliver Loew, Robert Traba, Paderborn: Schöningh 2015.

Projekt Nr. 2: eine interdisziplinär angelegte Anthologie westeuropäischer Texte über Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis in polnischer Übersetzung, erschienen als:
(Kon)teksty pamięci, hg. v. Kornelia Kończal, Warszawa: Narodowe Centrum Kultury 2014.

Projekt Nr. 3: eine Reihe von Artikeln zur Reflexion zum kollektiven Gedächtnis und Erinnerungsorten in der polnischen Tagezeitung Gazeta Wyborcza (seit 2008), die die vierbändige Publikation in Polen ankündigen sollen.

Projekt Nr. 4: ein interdisziplinäres polnischsprachiges Lexikon Modi memorandi, erschienen als: Modi memorandi. Leksykon kultury pamięci, hg. v. Magdalena Saryusz-Wolska, Robert Traba, unter Mitarbeit von Joanna Kalicka, Warszawa: Scholar 2014.

Die ersten drei Bände der Publikation Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci enthalten über 100 Artikel zu einzelnen Erinnerungsorten von deutschen und polnischen Forschern sowie von Autoren aus Drittländern wie Tschechien, Frankreich, Italien und der Schweiz. Die Liste der Erinnerungsorte ist das Ergebnis eines fast zwei Jahre währenden offenen Dialogs, den das vierköpfige Konzeptteam seit Herbst 2006 auf Fachtagungen, Workshops und Projektpräsentationen mit Vertretern verschiedener Geistes- und Sozialwissenschaften aus unterschiedlichen Ländern führte.

Im Laufe der Projektumsetzung entstand eine Reihe von Aufsätzen, die sich mit der Theorie und Methode zur Erforschung von Erinnerungskulturen befassen. Diese Texte sollen in einem vierten Band gesammelt werden. Ins Zentrum rückt hier die spezifische Problematik, wie Erinnerungsgeschichte und Beziehungsgeschichte aufeinander wirken, vor allem im deutsch-polnischen Kontext. Dieser Band wird einer breiten historiographischen Reflexion gewidmet, die sich mit folgenden Fragen befasst: Was kann die deutsch-polnische Beziehungsgeschichte aus der Perspektive der analytischen Kategorie „bilateraler Erinnerungsorte" leisten und was nicht? Welchen neuen Erkenntniswert kann dieser Ansatz generieren? Wie bereichert das Projekt das methodologische Instrumentarium? Inwiefern schreibt es sich in den aktuellen europäischen Diskurs über kollektives Gedächtnis ein?

Die begleitenden Projekte sollen die polnische Leserschaft in den deutschen Diskurs über das kollektive Gedächtnis einführen und dem deutschen Publikum den Ertrag polnischer Wissenschaftler auf diesem Gebiet nahe bringen. Die Anthologie polnischer Texte in deutscher Übersetzung (Projekt Nr. 1) ist die bislang einzige Publikation auf diesem Forschungsgebiet, die einen grenzübergreifenden Transfer der methodologischen Ansätze polnischer Wissenschaftler in die deutsche Forschungsdiskussion ermöglicht. Im Gegenzug bereichert die Anthologie deutscher und westeuropäischer Texte in polnischer Übersetzung den polnischen Diskurs zum Thema kollektives Gedächtnis (Projekt Nr. 2). Ziel des interdisziplinären Lexikons (Projekt Nr. 4) ist eine Bestimmung der Terminologie und die Systematisierung und Einordnung wichtiger Konzepte und Wissenschaftstraditionen auf dem Feld der Erinnerungsforschung.

Kontextualisierung des Projekts

Seit Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre erfreut sich die Erforschung von Erinnerungskulturen einer wachsenden Popularität und ist heutzutage eines der Schlüsselthemen der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die von dem französischen Historiker Pierre Nora konzipierte Form der Geschichtsschreibung, die er selbst als Geschichte zweiten Grades (histoire au second degré) bezeichnete, erweist sich als eine bereichernde Ergänzung der traditionellen Geschichtsschreibung. Die Geschichte zweiten Grades interessiert sich nicht für die Ereignis- bzw. Politikgeschichte, die lange Zeit die Erforschung der Vergangenheit dominierte. Sie beschäftigt sich mit der Entstehung und den Veränderungen der kollektiven Gedächtnisse und fragt nach den identitätsstiftenden Funktionen der Erinnerung. Folgerichtig muss der Forschende einen umfassenderen Fragenkatalog anwenden und ist dazu eingeladen, interdisziplinär und auf einer breiteren Quellenbasis zu arbeiten. Eine zentrale Rolle in der Geschichte zweiten Grades als Forschungsmethode spielt das Konzept der Erinnerungsorte (lieux de mémoire). In dem hier präsentierten Projekt ist es der Ausgangspunkt für einen neuen Ansatz in der Erforschung der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen aus der Perspektive der langen Dauer (longue durée).

Leitkategorie

Den Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt stellt die von Pierre Nora in den 1980er Jahren vorgeschlagene Kategorie lieu de mémoire dar. Etienne François und Hagen Schulze haben ihr Sammelwerk Deutsche Erinnerungsorte bewusst als Weiterentwicklung des Noraschen Ansatzes verstanden, indem sie dessen „geschlossenem“ Konzept „Frankreich“ ein nach außen offeneres Konzept „Deutschland“ gegenüberstellen wollten. Im Projekt Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci wird die Kategorie Erinnerungsort kritisch hinterfragt und weiterentwickelt – ein Vorgehen, das sich logischerweise daraus ergibt, dass das Paradigma lieu de mémoire in einen bilateralen, beziehungsgeschichtlichen Kontext gesetzt wird. Die zentrale Kategorie lieu de mémoire wird in dem hier präsentierten Projekt konsequent auf ihre Identitätsrelevanz hin untersucht.

Aktualität

Das Projekt des CBH PAN beruht auf einigen sowohl in der Wissenschaft als auch in der sozialen Praxis stark akzentuierten Tendenzen.

  • Das kollektive Gedächtnis ist seit ungefähr 20 Jahren eines der am intensivsten bearbeiteten und innovativsten Forschungsfelder in den Geistes- und Sozialwissenschaften, wobei es – trotz mancher dahingehender Ankündigungen – als wissenschaftliche Kategorie bisher nicht mit Erfolg auf die Erforschung der Beziehungen zwischen benachbarten Ländern und Gesellschaften angewandt wurde. Das hier präsentierte Konzept kommt somit einem dringenden Forschungsdesiderat entgegen.
  • Die thematische Breite des Projekts sowie seine methodologische Ausrichtung bedingen und ermöglichen eine interdisziplinäre Praxis, wie sie heute von der modernen geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung gefordert wird.
  • In Anbetracht der Tatsache, dass in vielen deutsch-polnischen Debatten der letzten Jahre Geschichte und Geschichtsbilder für aktuelle politische Ziele missbraucht wurden und werden, steht das Projekt des CBH PAN in einem unmittelbaren und kritischen Bezug zur aktuellen Praxis, die Vergangenheit zu instrumentalisieren. Das Projekt Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci ist kein politisches Unterfangen, weil es ausdrücklich nicht das Ziel verfolgt, in aktuelle Debatten einzugreifen. Nichtsdestoweniger kann und soll es einen fundierten Beitrag zum Verständnis deutscher und polnischer Geschichtsbilder leisten, die schwarz-weißen Bilder der Vergangenheit durchbrechen und den Lesern die Erkenntnis näher bringen, dass es nicht eine deutsch-polnische Geschichte, sondern viele deutsch-polnische Geschichten gibt. Der Rückenwind der außerwissenschaftlichen Öffentlichkeit wird sicherlich die Publizität des Projekts erhöhen und zur Erweiterung der potenziellen Leserkreise beitragen.

Innovation

Sowohl die Makrostruktur des Gesamtprojektes als auch die Mikroebene (im Konzept der einzelnen begleitenden Projekte) enthält vielfältiges innovatives Potenzial:

  • Obwohl in der Wissenschaft schon mehrfach ein transnationaler Ansatz bei der Erforschung von Erinnerungsorten angekündigt worden war, wurde bisher in keinem der umgesetzten Projekte eine methodologisch überzeugende Reflexion über die Anwendung dieser Kategorie in einem bilateralen Kontext entwickelt. Folglich stellt das Projekt des CBH PAN den ersten Versuch einer komplexen, theoretischen und methodologischen Reflexion und der praktischen Anwendung der Kategorie Erinnerungsort zur Erforschung von Erinnerungskulturen zweier Gesellschaften dar.
  • Ein völlig neues methodologisches Konzept in der Forschung zu Erinnerungsorten im bilateralen Kontext bietet der dritte Band der Publikation, in dem parallele Erinnerungsorte untersucht werden, also solche, die in beiden Erinnerungskulturen eine vergleichbare Funktion erfüllen, sich jedoch nicht auf das gleiche Ereignis, den gleichen Ort oder die gleiche historische Gestalt beziehen. Es handelt sich somit um einen bisher im Rahmen der Erforschung der Geschichte zweiten Grades nie praktizierten, funktionalen Ansatz.
  • Die Intensität des Dialogs zwischen den Initiatoren des Projekts und den Autoren der einzelnen Aufsätze unterscheidet das Projekt des CBH PAN von anderen großen, internationalen Unternehmungen in der Forschung. Die offene und auf Dialog basierende Beschaffenheit des Projekts ist u. a. dank einer Reihe von Workshops und Tagungen möglich, im deren Rahmen theoretische und methodologische Grundsteine des Projekts mit ausgewiesenen Kennern der Materie und mit den Autoren der Texte diskutiert wurden. Außerdem hatten diese Symposien zum Ziel, die konkreten Arbeitsergebnisse vorzustellen und sie kritisch und interdisziplinär zu befragen.
  • Unter den Autoren überwiegen Nachwuchswissenschaftler, die verschiedene Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften vertreten und oft über mehr als nur einen wissenschaftlichen Hintergrund verfügen.
  • Eine langfristige, multimediale PR-Strategie begleitet das Gesamtprojekt. Dazu gehören die Internetpräsenz auf der Homepage des CBH PAN, diverse Presseartikel sowie Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften, TV-Beiträge, Präsentationen auf verschiedenen, d.h. nicht nur geschichtswissenschaftlichen Fachtagungen in Deutschland und in Polen.

Die Bandbreite und der Umfang des Forschungsvorhabens zeichnen das Projekt Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci aus, gleichzeitig erlauben sie eine integrale Sichtweise auf die zu untersuchende Problematik: Deutsche und polnische Erinnerungskulturen werden in einer breiten zeitlichen und räumlichen Perspektive untersucht. Die thematische Spannweite bietet zugleich einen neuen Zugang zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte. Neben der Forschung der Autoren zu einzelnen Aspekten der deutsch-polnischen Geschichte zweiten Grades erlaubt die methodologische und theoretische Reflexion hinsichtlich des Konzepts der Erinnerungsorte (siehe auch die Anthologien und vor allem das Lexikon) einen innovativen und methodologisch kohärenten Blick auf eine langjährige Geschichte deutsch-polnischer Wechselwirkungen.

Transfer und Dialog

Dank der Zusammenarbeit deutscher und polnischer Wissenschaftler sowie der Forscher aus anderen Ländern stellt das Projekt Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci ein Produkt des Dialogs zwischen westlichen und östlichen Denktraditionen dar und intensiviert zugleich die wissenschaftliche Zusammenarbeit im deutsch-polnischen Kontext. Während die französische Tradition der Erforschung von Erinnerungskulturen (ausgehend von Maurice Halbwachs, über Maurice Agulhon, Jacques le Goff, Krzysztof Pomian bis Pierre Nora) in beiden Ländern relativ bekannt ist, was gleichermaßen bezüglich der deutschen Forschungstradition (vor allem Konzepte von Jan und Aleida Assmann, Harald Welzer, Astrid Erll u. a.) festgestellt werden kann (auch wenn dies in Polen meistens nur auf Germanisten bzw. Vertreter der Deutschlandstudien zutrifft), sind die Erkenntnisse polnischer Geisteswissenschaftler in Westeuropa kaum bekannt. Namen wie Ludwik Krzywicki, Kazimierz Kelles-Kraus, Florian Znaniecki, Stefan Czarnowski, Stanisław Ossowski oder Marceli Handelsman werden kaum mit Überlegungen über die Geschichte(n) zweiten Grades assoziiert. Auch heute werden aktive Autoren – wie Barbara Szacka, Andrzej Szpociński, Piotr Kwiatkowski (Soziologie), Jerzy Topolski, Andrzej F. Grabski, Marcin Kula, Jerzy Maternicki (Geschichte) oder Hubert Orłowski (Germanistik) – in der deutschen scientific community nicht primär mit Untersuchungen zum kollektiven Gedächtnis in Verbindung gebracht. Die Struktur und die Umsetzung des Projekts des CBH PAN können zur Änderung dieser Situation beitragen.

Umsetzung

Seit Herbst 2006 waren die Arbeiten am konzeptuellen, inhaltlichen und organisatorischen Rahmen des Projekts im Gange; regelmäßig fanden Arbeitstreffen des vierköpfigen Konzeptualisierungsteams statt. Den inhaltlichen Auftakt zu einer interdisziplinären Arbeitsweise bildete ein im März 2007 in Berlin veranstaltetes Symposium, an dem ungefähr 40 deutsche und polnische Vertreter verschiedener Disziplinen (Geschichte, Kultursoziologie, Kultur- und Literaturwissenschaft) teilnahmen. Die zweitägigen Debatten dienten nicht nur einem Gedankenaustausch über wegweisende und für die Wissenschaftsdiskurse in beiden Ländern prägende Konzepte. Das Anliegen der Organisatoren war es auch, deutsche und polnische Forschungstraditionen mit denen anderer Länder zu vergleichen und einen kritischen Blick auf Projekte zu werfen, die auf regionaler, transnationaler und europäischer Ebene realisiert worden waren. Das Ergebnis dieser Konferenz war u. a. die Ausarbeitung einer als Einladung zur Diskussion verstandenen Liste deutsch-polnischer Erinnerungsorte.

Im März 2008 fand die erste Konferenz für über 40 vor allem deutsche und polnische Wissenschaftler (Autoren der Aufsätze über die einzelnen Erinnerungsorte) in Słubice statt. Vor der Tagung erhielten alle Teilnehmer einen umfassenden Reader, dem u.a. eine Darlegung des theoretischen und methodologischen Rahmens des Projekts, die Beschreibung seiner Genese sowie ein Überblick über die bisherige Erforschung der Geschichte zweiten Grades zu entnehmen waren. Einen integralen Bestandteil des Readers stellt der Versuch einer Definition der Leitkategorie Erinnerungsort im bilateralen Kontext dar, die – ebenso wie die Liste der Erinnerungsorte – als Einladung zur Diskussion verstanden wird. Der konstruktive und inspirierende Charakter der Diskussionen in Słubice wurde in einem ausführlichen Protokoll dokumentiert, das alle Beteiligten einige Wochen nach der Tagung erhielten. Hinweise, Ergänzungs- und Änderungsvorschläge sowie kritische Bemerkungen flossen in die zweite Fassung des Readers ein, mit der sich die Teilnehmer der zweiten Konferenz auseinandersetzen sollten. Der Erfolg der Słubicer Konferenz bestätigte die Überzeugung der Projektveranstalter von der Richtigkeit dieser Arbeitsmethode und trug dazu bei, der in Vorbereitung begriffenen vierbändigen Publikation Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci eine möglichst kohärente sowie methodologisch und terminologisch adjustierte Form zu verleihen.

Im November und im Dezember 2008 wurden weitere Tagungen in Lüneburg respektive in Berlin gehalten. Im März 2009 fand nochmals ein Symposium in Słubice und im Mai dieses Jahres die bereits fünfte Konferenz in Berlin statt. Die sechste und letzte Konferenz in Berlin 2009 bot die Gelegenheit, über weitere Konzeptualisierungsvorschläge sowie über bereits entstandene Texte gemeinsam zu reflektieren.

Parallel zur Arbeit an den Aufsätzen wurde an den einzelnen begleitenden Projekten (Anthologien und Lexikon) gearbeitet. Darüber hinaus wurde das Projekt im Rahmen verschiedener in Deutschland und in Polen veranstalteter Tagungen und Konferenzen präsentiert. Prof. Dr. Hans Henning Hahn leitete auf dem 47. Deutschen Historikertag 2008 in Dresden eine Sektion, in der einige mit dem Projekt verbundene Wissenschaftler referierten. Prof. Dr. Traba war Veranstalter einer entsprechenden Sektion auf dem 18. Polnischen Historikertag, der im September 2009 in Olsztyn stattfand.

Am Kernprojekt – der neunbändigen Publikation Deutsch-Polnische Erinnerungsorte | Polsko-niemieckie miejsca pamięci – arbeiteten rund 100 Wissenschaftler. Zu ihnen gehören sowohl angesehene und verdiente Forscher sowie junge Wissenschaftler – deutsche und polnische Doktoranden und Postdoktoranden.

Vom großen Interesse am Projekt zeugt u.a. eine sehr hohe Anzahl von Rückmeldungen auf den Call for Authors sowie Initiativbewerbungen. Das Auswahlverfahren der Autoren für die Beiträge über deutsch-polnische Erinnerungsorte wurde Anfang 2009 abgeschlossen und die Abgabefrist ist im November 2009 abgelaufen. Die Übersetzungen und die Redaktion der Texte erfolgte in den Jahren 2010-2014. 2012 erschienen die deutsche und polnische Fassung des dritten Bandes Parallelen, 2013 folgten die deutsche und polnische Ausgabe des vierten Bandes Reflexionen. Im Sommer 2014 erschien die deutsche Fassung des zweiten Bandes Geteilt / Gemeinsam, das polnische Pendant zu Beginn des Jahres 2015. Im Sommer 2015 werden der erste Band in beiden Sprachversion und der fünfte Band der deutschsprachigen Reihe auf beiden Buchmärkten erhältlich sein. Mit dem Erscheinen der Publikationen ist das Projekt allerdings keineswegs abgeschlossen – neben einer ausgedehnten Veranstaltungsreihe entwickeln wir u.a. Pläne zur Herausgabe einer Best-of-Edition sowie einer Didaktisierung des Konzepts.

Kontakt: Anna Labentz