Wer kämpfte im Warschauer Aufstand 1944 und wer waren die Held:innen?
Gespräch mit Agnieszka Cubała
im Rahmen der Reihe
Der Warschauer Aufstand 1944 multiperspektivisch. Eine Spurensuche
Wo: BVV-Saal im Rathaus Tiergarten, Mathilde-Jacob-Platz 1, 10551 Berlin
Wann: 07. Oktober, 19 Uhr
Um eine Anmeldung wird gebeten: jakub.sawicki@cbh.pan.pl
Das Gespräch findet auf Polnisch statt und wird simultan ins Deutsche übersetzt.
Wie eindeutig können polnische Zivilist:innen von den Soldat:innen während des Aufstandes unterschieden werden? Welche Rolle spielte die zivile Bevölkerung während des Aufstands? Wie kommt es, dass obwohl, verglichen mit den polnischen Soldat:innen ca. 10 Mal mehr zivile Menschen gestorben sind, das Thema bis heute so wenig Aufmerksamkeit erfährt?
Diese und weitere Fragen werden wir mit Agnieszka Cubała besprechen, die mit ihrer diesjährigen Publikation Zwyczajni ʼ44. Ludność cywilna w Powstaniu Warszawskim [Die Gewöhnlichen ’44. Zivile Bevölkerung im Warschauer Aufstand], unsere Vorstellungsreihe „Der Warschauer Aufstand 1944 multiperspektivisch. Eine Spurensuche“, die wir mit der ersten umfangreichen Monographie über die Zivilbevölkerung aus der Feder Joanna Hansons begannen, gebührend abschließen wird.

In Zwyczajni ʼ44. Ludność cywilna w Powstaniu Warszawskim [Die Gewöhnlichen ’44. Zivile Bevölkerung im Warschauer Aufstand] weitet die langjährige Expertin des Warschauer Aufstandes die Perspektive auf die unterschiedlichen Schicksale und Überlebenstrategien mithilfe von 25 ausgewählten Personen. Darunter befindet sich Tomek, der versteckt in einem Schrank hörte, wie seine Eltern bestialisch umgebracht wurden. Doch es werden auch zahlreiche Schriftsteller, wie die Aufstandspoetin Anna Świrszczyńska, der spätere Literaturnobelpreisträger Czesław Miłosz oder der polnische James Dean der Literaturszene Marek Hłasko, wessen Blick auf die Welt von den traumatischen Erfahrungen eines Kindes inmitten des Aufstandes bestimmen sollte, vorgestellt. In dieser außergewöhnlichen Zusammenstellung befinden sich zudem Schauspielerinnen, Künstler und Wissenschaftler, wie der berühmte Philosophie- und Kunsthistoriker Prof. Władysław Tatarkiewicz. Unter den Sportlerinnen wird u. a. die Leichtathletin Jadwiga Wajsówna vorgestellt, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin eine Silbermedaille gewann.
„Ich nannte sie alle, ›die Gewöhnlichen ʼ44‹, da sie angesichts des Dramas in der Hauptstadt im Jahr 1944 als Zivilisten ebenbürtig waren,“ begründet die Autorin ihren Buchtitel. Dabei gliederte Agnieszka Cubała die Kapitel nicht entlang der Berufe oder des Alters der Zivilist:innen, sondern anhand der unterschiedlichen Haltungen und Strategien im Umgang der Warschauer:innen mit Extremsituationen während der 63 Tage 1944. Dies verleiht der sehr zugänglichen und assoziativ verfassten Zusammenstellung eine Universalität und analytische Tiefe, mit der sich die Erfahrungen der Polinnen und Polen von vor 80 Jahren mit denen der Bevölkerungen heutiger Kriege vergleichen lassen.
Agnieszka Cubała studierte an der SGH Warsaw School of Economics. Am Anfang stand ihre Magisterarbeit, die unter dem folgenden Titel erschienen ist: Ku wolności… Międzynarodowe, polityczne i psychologiczno-socjologiczne aspekty Powstania Warszawskiego [Der Weg zur Freiheit... Internationale, politische und psychologisch-soziologische Aspekte des Warschauer Aufstands]. Mit der breit angelegten Studie eröffnete sich für Agnieszka Cubała ein Arbeitsfeld, dem sie bis heute treu blieb. Es folgten nämlich über zehn weitere Titel, die sich mit den 63 Tagen des Aufstandes beschäftigten. Darunter Bestseller wie Miłość ʼ44 [Liebeʼ44], Kobiety ʼ44 [Frauen ʼ44], Artyści ʼ44 [Künstler ʼ44], Warszawskie dzieci ʼ44 [Warschauer Kinder ʼ44] oder Wolność ʼ44 [Freiheit ʼ44]. Für ihre unermüdliche populärwissenschaftliche Arbeit zum Warschauer Aufstand bekam sie bereits mehrere der bedeutendsten Preise und Auszeichnungen Polens verliehen.
#63Tage ist eine Veranstaltungsreihe verschiedener Kooperationspartner in Berlin. Sie wird vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt und dem Deutsch-Polnischen Haus koordiniert. Die Kampagne sowie mehrere Veranstaltungen werden finanziell durch die Lotto-Stiftung Berlin gefördert.
Wir danken dem Bezirksamt Pankow für die Mitorganisation und dem Bezirksamt Mitte für die Möglichkeit den BVV-Saal im Rathaus Tiergarten nutzen zu dürfen.





