Klaus Zernack Colloquium 2026 #2

Klaus Zernack Colloquium 2026 #2
Geschichte Plus – Interdisziplinarität am Zentrum für Historische Forschung Berlin
 
Materielle Kultur – oder: Wie Dinge Geschichte schreiben
 
 
Termin: 4.6.2026
Ort: Humboldt-Universität, Festsaal in der Luisenstraße 56
Freie Universität Berlin
Raum A.163
Koserstraße 20
14195 Berlin
Wir bitten um Anmeldung: info@cbh.pan.pl
 
Mitorganisiert von: Freie Universität Berlin und Zentrum für historische Forschung Berlin der polnischen Akademie der Wissenschaften
 
„Wir sind in unserem Alltag von Dingen umgeben. Manche nehmen wir überhaupt nicht wahr, zu anderen stehen wir in einem besonderen emotionalen Verhältnis, das stets abhängig von Objekt und Kontext – zwischen Zuneigung, Verehrung und Ablehnung schwankt. Dinge besitzen nicht nur einen praktisch-funktionalen Sach- oder Nutzwert, sondern sie haben auch eine Bedeutung – sie sind oft Zeichen und Medium.”
 
(Handbuch Materielle Kultur. Bedeutungen, Konzepte, Disziplinen, hrsg. von Stefanie Semida, Manfred K. H. Eggert, Hans Peter Hahn, Stuttgart-Weimar, 2014, S. 1)
 
Im Rahmen der Reihe „Klaus Zernack Colloquium 2026. Geschichte Plus“ wollen wir die Frage nach der Tragweite der Dinge (der Materialität) in der Geschichtsforschung stellen. War es die Größe der Persönlichkeiten, die Kraft der Ideen, die Intensität der Konflikte, die Tiefe der Werke, deren Gedanken bis zu den Sternen reichten? Oder gaben doch vielleicht die Qualität des für die Herstellung eines Schwertes verwendeten Stahls (und der Herstellungsprozess selbst) oder eine ausreichende Menge Suppe oder warme Socken den Ausschlag? Dinge, Objekte, Materialität bilden den selbstverständlichen Rahmen des menschlichen Lebens. Sie sind so allgegenwärtig, dass wir nicht nur ihre Anwesenheit, sondern auch ihren Einfluss auf unser Leben und auf uns selbst gar nicht wahrnehmen. Die Beziehung zwischen Mensch und Ding muss von zwei Seiten betrachtet werden: Nutzen wir die Dinge, oder sind wir Spielbälle in ihren „Händen“? Es gibt auch eine dritte Perspektive, der gegenseitigen Beziehungen zwischen gleichberechtigten, aber unterschiedlichen Akteuren, die aufeinander reagieren und gemeinsam Geschichte schreiben. Diese Perspektive führt dazu, dass wir von einer anthropozentrischen Sicht auf die Geschichte abweichen und den Dingen, den ihnen zustehenden Platz und die ihnen zustehende Rolle in unserer gemeinsamen Geschichte einräumen. Oder sind das vielleicht alles nur künstliche Konstrukte? Über diese Themen, die sich dieses Mal auf die Geschichte des europäischen Mittelalters „beschränken“, werden Prof. Dr. Thomas Ertl (FU Berlin) und Dr. Monika Saczyńska-Vercamer (CBH PAN) sprechen. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Igor Kąkolewski (CBH PAN).
 
Prof. Dr. Thomas Ertl
Promotion 1999 an der Universität Wien zum „Kanzlei und Urkundenwesen Kaiser Heinrichs VI.“ Habilitation 2006 an der Freien Universität Berlin zu „Selbstdeutung und Weltordnung im frühen Franziskanerorden“. Gastdozent am Deutschen Historischen Institut Rom (2006/7). 2011-2018 war er Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters an der Universität Wien. Seit Oktober 2018 ist er Professor für die Geschichte des hohen und späten Mittelalters am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte (seit 2017) und organisierte im Frühjahr 2022 eine Reichenau-Tagung zum Thema „Ars Vendendi: Rhetorik und Praktiken des Verkaufens im Mittelalter“. Mitherausgeber The Medieval History Journal (2010-2018). Mitherausgeber der Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (seit 2018). 2021-2025 leitete er ein DFG-Projekt zur digitalen Erfassung der Wiener Grundbücher (Mapping Medieval Vienna Wiens Sozialtopographie im 15. Jahrhundert).

Dr. Monika Saczyńska-Vercamer
Promotion 2006 an der Universität Warschau zum „Päpstliche Privilegien für polnische Individualempfänger im 14. und 15. Jahrhundert“. Seit 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Zentrum für die Geschichte der materiellen Kultur des Mittelalters und der Neuzeit). Mitherausgeberin einer Reihe von Konferenzen über die Rolle der Dinge und Objekte der materiellen Kultur an den sozialen Beziehungen (Es wurden vier Bände veröffentlicht). Stipendiatin der Lanckoroński-Brzezie-Stiftung (2002, 2013). Wissenschaftliche Mitarbeiterin im europäischen Projekt COST Action IS1301: New Community of Interpretation: Contexts, Strategies, and Processes of Religious Transformation in Late Medieval and Early Modern Europe (2013-2017). Sie war tätig von 2021-2022 als Senior Fellowship im Rahmen des Jena Excellence Fellowship an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit August 2023 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften (CBH PAN).