Zeit: 11.03.2025, 12:30 – 13:15 Uhr
Ort: Colosseum Berlin, Kino 6, Gleimstraße 31, 10437 Berlin
Link zur Anmeldung: https://bit.ly/CafeKyiv2025
Eine Veranstaltung der Reihe „Festung Archiv Ukraine“ mit Kateryna Bourdovalis, Diana Bandyrska und Dr. Gerhard Gnauck.
„Vielleicht das klassische Beispiel für den sowjetischen Völkermord, das längste und umfassendste Experiment der Russifizierung – die Zerstörung der ukrainischen Nation“, schrieb der polnisch-jüdische Jurist und Mitverfasser der UN-Völkermordkonvention Raphael Lemkin.
Der Holodomor zählt zu den schlimmsten Hungersnöten des 20. Jahrhunderts und bleibt bis heute ein Mahnmal für den Genozid an der ukrainischen Nation.
Durch eine gezielt herbeigeführte Hungersnot, verursacht durch drastisch erhöhte Getreideabgaben und die Schließung der sowjetischen Grenzen für Hungerflüchtlinge, „Schwarze Listen“ gegen protestierende „konterrevolutionäre Petljura-Elemente“ sowie Konfiszierungen von Haushaltsgegenständen und versteckten Lebensmitteln, sollte der Ukraine als eigenständigem Subjekt – ihrer Kultur, Sprache, Identität, ihrem Widerstandswillen und ihrem Streben nach Eigenstaatlichkeit – ein für alle Mal ein Ende gesetzt werden.
Wie viele Opfer der Holodomor genau forderte, ist weiterhin unbekannt. Historiker nennen unterschiedliche Zahlen zwischen vier und zehn Millionen, während die offizielle Schätzung bei 3,9 Millionen liegt.
Am vierten Samstag im November gedenkt die Ukraine jährlich der Opfer des Holodomor der Jahre 1921–1923, 1932–1933 und 1946–1947. Die Jahre 1932–1933 markieren dabei die grausamste Phase mit der höchsten Opferzahl.
Die Sowjetunion verfolgte nicht nur das Ziel, die ukrainische Identität, sondern auch die Erinnerung an diese tragischen Ereignisse auszulöschen. Über den Holodomor wurde jahrzehntelang kaum gesprochen, sodass viele historische Dokumente verborgen blieben.
Es ist an der Zeit, dies zu ändern!
Neue Archivfunde: Einblick in historische Dokumente
Kateryna Bourdovalis und Diana Bandyrska präsentieren in dieser Veranstaltung bislang unbekannte Quellen aus dem Archiv der Region Chmelnyzkyj und gewähren exklusive Einblicke in die Arbeit ukrainischer Archivarinnen.
In einem Gespräch mit Dr. Gerhard Gnauck diskutieren sie über die Bedeutung dieser Dokumente für das heutige Verständnis des Holodomor – nicht nur in der Ukraine, sondern auch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas.
Unter den vorgestellten Quellen befinden sich erschütternde Berichte aus dem Jahr 1933, die eindrucksvoll die katastrophalen Zustände dokumentieren:
- Behördliche Notizen über extreme Lebensmittelknappheit und hungernde Menschen
- Listen hilfsbedürftiger Familien und Berichte über Massensterben
- Dokumente über Proteste von Kolchosbauern, die Brot forderten und die Arbeit verweigerten
- Einträge zur wachsenden Kriminalität und Selbstjustiz infolge der Hungersnot
- Nachweise über Kannibalismus – inklusive Verhaftungen durch die damaligen Behörden
Festung Archiv Ukraine – Schutz und Aufarbeitung historischer Quellen
Die Veranstaltung ist Teil des Programms „Festung Archiv Ukraine“, einer Kooperation zwischen dem Pilecki-Institut, dem Bundesarchiv und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Seit 2023 fördert dieses Programm den fachlichen Austausch zwischen ukrainischen, polnischen und deutschen Archiven sowie die Popularisierung wertvoller historischer Sammlungen.
Sprechende
Kateryna Bourdovalis – Direktorin des Staatsarchivs der Region Chmelnyzkyj
Diana Bandyrska – Hauptexpertin der Abteilung Organisation und Analytik beim Staatsarchiv der Region Chmelnyzkyj
Dr. Gerhard Gnauck – Historiker, Journalist, Forscher am Mykola-Haievoi-Zentrum für moderne Geschichte. 2018–2024 Ukraine-Korrespondent der FAZ







