Die Entstehung des Genozid-Konzepts:
Buchvorstellung der deutschen Ausgabe von Raphael Lemkins ‚Axis Rule in Occupied Europe‘
Termin: Mittwoch, 7. Oktober 2026, 18:30 Uhr
Ort: Zentrum für Historische Forschung Berlin
der Polnischen Akademie der Wissenschaften,
Majakowskiring 47,
13156 Berlin
Um Anmeldung wird gebeten: info@cbh.pan.pl
Der polnisch-jüdische Jurist Raphael Lemkin veröffentlichte 1944 im amerikanischen Exil sein Buch „Axis Rule in Occupied Europe“. Es handelt sich um die erste systematische Analyse der NS-Besatzungspraxis in Europa. Dabei entwickelte Lemkin erstmals den Begriff „Genozid“. „Axis Rule“ legte den Grundstein für die 1948 verabschiedete Genozidkonvention der Vereinten Nationen. Nun liegt das Werk erstmals in einer deutschen Ausgabe vor – tatsächlich ist es die erste Übersetzung überhaupt.
Neu übertragen wurde auch der Dokumentenanhang des Buchs mit Quellen aus zehn europäischen Sprachen, denn Lemkin präsentierte Länderberichte und auch Quellen zu tatsächlich allen okkupierten Gebieten – selbst zu sonst kaum beachteten wie den Kanalinseln oder dem bereits Anfang 1939 von Litauen an das Reich abgetretenen Memelland. So steht „Axis Rule“ nach wie vor singulär als Pionierstudie, die sich eigentlich nur mit zwei anderen, ebenfalls zu Beginn der 1940er Jahre erschienenen Büchern vergleichen lässt, nämlich Ernst Fraenkels „Doppelstaat“ und Franz Neumanns „Behemoth“. Aber „Axis Rule“ liefert noch mehr, denn Lemkin verfolgt einen europaweit integrierenden Ansatz, der eben nicht bei einer Beschreibung der Situation in den verschiedenen Gebieten unter Okkupation stehenbleibt, sondern einen umfassenden, systematischen Vergleich verfolgt, der neben Rechtsetzung und -sprechung den Umgang mit Eigentum, finanzieller Ausplünderung sowie Arbeit und Zwangsarbeit in den Blick nimmt.
Anlässlich der nun erschienenen, von Daniel Brewing und Stephan Lehnstaedt herausgegebenen deutschen Ausgabe von Lemkins Meisterwerk, wollen wir über das Buch diskutieren mit:
- Prof. Dr. Piotr Madajczyk, ISP PAN Warszawa, Autor der maßgeblichen Biographie Raphael Lemkins.
- Prof. Dr. Hans-Lukas Kieser, Universität Zürich, Experte für den osmanischen Genozid an den Armeniern – der Lemkin schon vor „Axis Rule“ maßgeblich beeinflusste.
- Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt, Touro University Berlin, Holocaustforscher und Herausgeber der deutschen Ausgabe von „Axis Rule“.
- Moderation: Prof. Dr. Igor Kąkolowski, CBH PAN Berlin.
Für das leibliche Wohl im Anschluss ist gesorgt.




