Preisverleihung der Polnischen Akademie der Gelehrsamkeit für „Europa – Unsere Geschichte“ als das beste Geschichtslehrwerk

Preisverleihung der Polnischen Akademie der Gelehrsamkeit für „Europa – Unsere Geschichte“ als das beste Geschichtslehrwerk

Die unabhängige Polnische Akademie der Gelehrsamkeit (Polska Akademia Umiejętności – PAU) mit Sitz in Krakau wird am 15. Juni 2024 das in deutsch-polnischer Zusammenarbeit entstandene Schulbuch „Europa – Unsere Geschichte / Europa. Nasza historia“ mit seinem Schulbuchpreis auszeichnen.

Das vierbändige, in identischer Fassung in deutscher und polnischer Sprache erschienene Lehrwerk behandelt die europäische Geschichte wie auch deren globale Verflechtungen und es zeigt die vielfältigen historischen Wechselwirkungen zwischen den europäischen Gesellschaften auf. Das von den Verlagen Eduversum und Wydawnictwo Szkolne i Pedadogiczne (WSiP) publizierte Lehrwerk ist für den regulären Einsatz im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I in Deutschland bzw. der Klassen 5 bis 8 der Schulen in Polen bestimmt. Es ist, nach dem Deutsch-Französischen Schulbuch, das zweite Lehrwerk zur europäischen Geschichte, das in transnationaler Zusammenarbeit entstanden ist und die transnationalen Verflechtungen in der europäischen Geschichte in den Vordergrund stellt.

Zur Entstehungsgeschichte: Das Schulbuch entstand aufgrund eines langjährigen Dialogs zwischen polnischen und deutschen ExpertInnen im Rahmen der schon 1972 gegründeten „Gemeinsamen Schulbuchkommission der Historiker und Geographen“. Die Idee, gemeinsam ein in polnischen und deutschen Schulen gleichermaßen einsetzbares Lehrwerk zu erarbeiten, reifte über die Jahre und wurde 2007 von den Außenministern Frank Walter Steinmeier und Radoslaw Sikorski aufgegriffen. Auf deren Veranlassung vereinbarten die Regierungen beider Länder 2008, die organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für die Realisierung dieses Projekts zu schaffen. Mit dessen wissenschaftlicher Bearbeitung und Begleitung wurden die damaligen Ko-Vorsitzenden der gemeinsamen deutsch-polnischen Schulbuchkommission (Michael G. Müller und Robert Traba) betraut, die für die Bildung eines entsprechenden „Expertenrats“ sorgten. Die Aufgabe, die wissenschaftliche Projektarbeit zu koordinieren, wurde dem Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig (heute Leibniz-Institut für Bildungsmedien) und dem Willy-Brandt-Zentrum in Wroclaw bzw., seit 2012, dem Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin (CBH) übertragen. Für das Zusammenwirken zwischen den politischen und den wissenschaftlichen Akteuren des Projekts wurde ein „Steuerungsrat“ eingerichtet, in dem die beiderseits beteiligten Ministerien wie auch die deutsche Kultusministerkonferenz (KMK) vertreten sind, dem aber auch die Verantwortlichen für den Expertenrat angehören.

Bis 2010 erarbeiteten die Expert:innen detaillierte Empfehlungen für die inhaltliche Gestaltung der vier geplanten Schulbuchbände. Auf dieser Grundlage wurden die Autor:innen-Teams der beiden Verlage tätig. Die Fachleute des Expertenrats und der koordinierenden Institute begleiteten den Arbeitsprozess intensiv, durch Begutachtung und Korrektur der Textentwürfe. Der erste Band wurde 2016 fertiggestellt, in Berlin öffentlich präsentiert und in beiden Ländern für den schulischen Gebrauch zugelassen, der zweite Band 2017, der dritte 2019. Im Jahr 2020 erschien auch der vierte und letzte Band; er wurde allerdings in Polen zunächst nicht als reguläres Schulbuch zugelassen, auch nicht in einem öffentlichen Akt vorgestellt.

Dennoch haben die gemeinsame deutsch-polnische Schulbuchkommission, das Berliner Zentrum für Historische Forschung (Igor Kąkolewski, Dominik Pik) und das Braunschweiger Leibniz-Institut für Bildungsmedien (Eckhardt Fuchs, Marcin Wiatr und in einer früheren Phase des Projekts, Simone Lässig wie Thomas Strobel) kontinuierlich weiter daran gearbeitet, die polnischen und deutschen Lehrer:innen mit der Schulbuchreihe bekannt zu machen und für deren Einsatz im Geschichtsunterricht zu werben.

Jetzt wurde aufgrund einer Absprache zwischen den derzeitigen Ko-Vorsitzenden der gemeinsamen Schulbuchkommission (Violetta Julkowska und Hans-Jürgen Bömelburg) und dem polnischen Ministerium für Nationale Bildung das polnische Zulassungsverfahren für den letzten Band der Schulbuchreihe wiederaufgenommen. Ferner wird der 2008 konstituierte „Steuerungsrat“ wieder in seiner ursprünglichen Zusammensetzung tätig werden, um über die nach vier Jahren der Unterbrechung notwendig gewordenen Ergänzungen zu beraten und einen öffentlichen Festakt als förmlichen Abschluss des gesamten polnisch-deutschen Projekts vorzubereiten.

Alle an dem großen Vorhaben Beteiligten können stolz sein auf die Auszeichnung durch die Polnische Akademie der Gelehrsamkeit – die Autor:innen der vier Schulbuchbände, die beiden Verlage, die das Wagnis unternommen haben, dieses bilaterale Projekt zu realisieren, die beiden koordinierenden Institute und die gemeinsam Deutsch-Polnische Schulbuchkommission, nicht zuletzt die ursprünglich (und weiterhin) Verantwortlichen in Expertenrat und Steuerungsrat.