The illegal transfer of works of art between Europe and America 1944-1949

Projekt: Forschungsprojekt, Publikation
Ort: Berlin
Termin: 2014, 2015, 2016, 2017
Mitorganizatoren: Nationales Kulturministerium, Technische Universität Berlin

Die bisherigen Untersuchungen zum Phänomen der NS-Raubkunst widmen sich hauptsächlich der Plünderung von Kulturgütern während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird vorrangig der organisierte Raub vonseiten der Deutschen in den besetzten Ländern sowie die Handlungen der Roten Armee, vor allem gegen Ende des Krieges, betrachtet.

Das Projekt erweitert diese Themenbereiche und ergänzt sie um folgende Fragestellungen: „Welchen Beitrag leistete Polen im Rahmen der Prozesse für die Nachkriegsrestitution von Kulturgütern?“ und „Welche Bedeutung kommt der illegalen Ausfuhr von Kulturgütern aus Europa in die USA durch Angehörige der US-Armee zu?“.

Das derzeitige Projekt  „Der illegale Transfer von Kunstwerken zwischen Europa und den USA in den Jahren 1944-1949“ am Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften bildet den Rahmen für die Erweiterung des Forschungsstandes um diese Fragen. Das Ziel ist es, Wege, Arten und Umfang der illegalen Ausfuhr von Kulturgütern aus Europa über den Atlantik zu entschlüsseln. Durch den Verkauf des von amerikanischen Kriegsveteranen geerbten Vermögens werden seit ungefähr einem Vierteljahrhundert immer mehr Kunstwerke auf den amerikanischen Antiquitätenmarkt geschwemmt. Dank umfangreicher Provenienzforschungen durch das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe in Polen ist es in den vergangenen Jahren gelungen, eine Reihe wertvoller Kulturdenkmäler aus den USA zurückzuerhalten.

Seit der Landung der Alliierten in der Normandie begann eine sehr intensive Etappe von Militär-und Aufklärungsaktionen mit dem Zweck, so viele Informationen wie möglich über Personen zu gewinnen, die in Verbindung mit der NS-Raubkunst standen, sowie über den Verbleib der Letzteren.

Für die Suche nach Personen und Orten, die mit dem Kunsthandel in der Zeit des Dritten Reiches in Verbindung standen, wurden Task forces gebildet. Diesen Gruppen gehörten sowohl Personen des OSS (Office of Strategic Services) als auch des Counter Intelligence Corps (CIC), also des Geheimdienstes der US-Army sowie, in einigen Fällen, Mitarbeiter des Federal Bureau of Investigation (FBI), an. Die Idee zu ihrer Durchführung resultierte aus der Überzeugung, dass ein großer Teil der Kunsthändler, die während des Zweiten Weltkriegs in Europa aktiv waren, im Grunde Agenten der Geheimdienste waren, die den Kunsthandel sowie Konfiskationen als Deckmantel für ihre tatsächliche Spionagetätigkeit zu Gunsten Deutschlands nutzten. Auch wenn ihre Resultate nicht den ursprünglichen Annahmen entsprachen, erwiesen sich diese Aktionen als sehr fruchtbar für die in die Fußstapfen der „Target force“ tretenden Offiziere der MFAA (Monuments, Fine Arts, and Archives Section), die von diesen Gruppen viele wertvolle Hinweise und Informationen erhielten.

Die Unterschiedlichen Zuständigkeiten , Machtbefugnisse und Aufgabenbereiche erschwerten dabei oft die erfolgreiche Zusammenarbeit der Gruppen.

Bevor die Informationen über Verstecke und Lagerstätten von Kunstwerken an die MFAA gelangten, kamen viele andere militärische Formationen an diese Orte. Wie aus Dokumentationen und detaillierten Berichten zu erfahren ist, beschwerten sich Offiziere aus Einheiten des Denkmalschutzes, dem sogenannten Kunstschutz, deshalb bei den Behörden darüber, dass es ein geringeres Problem sei, deponierte Kunstwerke zu finden als ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Zu ersten schwerwiegenden Diebstählen kam es in Parteigebäuden der NSDAP sowie im Münchner Führerbau. Es sind zahlreiche Erinnerungsfotos amerikanischer Soldaten überliefert, die „Souvenirs“ in den Händen halten. Eines von ihnen zeigt einen Offizier der Task forces, der ein silbernes Kaffeeservice aus dem Besitz Adolf Hitlers aus dem Gebäude trägt.  Die am häufigsten gestohlenen Gegenstände waren jedoch diejenigen, welche sich unbemerkt aus Gebäuden herausbringen ließen wie zum Beispiel kleinformatige Bilder, die in dienstlich genutzte Aktentaschen und Taschen passten.  Nach dem Krieg und im Kontext der Rückkehr der ersten amerikanischen Soldaten wurde das Problem der mitgebrachten Souvenirs öffentlich gemacht, wenn auch in ziemlich geringem Umfang. Ein Teil dieser Gegenstände stammte unmittelbar aus Diebstählen, ein anderer Teil aus dem illegalen Handel mit Kulturgütern im besetzten Deutschland.

Schon zu Beginn des Frühjahrs 1945 unternahmen die Mitarbeiter der Roberts Commission erste Versuche einer geplanten Rückgabe von Kunstwerken nach Europa, die auf ebendiese Weise in die USA gelangt waren.  In diese Pläne wurde auch eine Sektion des MFAA sowie der Foreign Funds Control miteinbezogen, und unter Kooperation des War Department unternahm man den Versuch, in Europa die ursprünglichen Eigentümer der gestohlenen Gegenstände ausfindig zu machen.

Durch die Aktivitäten der Denkmalschutzoffiziere war es möglich einen Teil der aus Europa weggebrachten bzw. beim Versuch der Ausfuhr in Verwahrung genommenen Objekte mit einer sogenannten München-Nummer zu versehen und sie in die Verzeichnisse der MFAA auf zu nehmen. Dennoch bleiben ungeachtet der umfangreichen Suchanstrengungen und der Einrichtung des Central Collecting Point in München viele Fragen im Zusammenhang mit Verlust und Raub sowohl von Seiten der Vertreter des Dritten Reiches als auch später von Seiten der Alliierten ein Thema, welches der Bearbeitung harrt.